Luxus oder Verzicht?

(Beitrag von Elina). Ich will mir mal Luft machen. Ich bin 45, Mutter von 2 Kindern und war in den letzten 13 Jahren alleinerziehend. Mit dem Vater meiner Tochter hatte ich eine Beziehung, in der er für alle finanziellen Belange gesorgt hat. Ich habe mich immer wie die Sekretärin oder das Anhängsel gefühlt und war in der Situation nicht wirklich zufrieden. Die Abhängigkeit von ihm gefiel mir überhaupt nicht, obwohl er mir nie das Gefühl gegeben hat, dass es sein Geld ist.

Die Beziehung ging in die Brüche ebenso wie die darauf folgende. In den folgenden 13 Jahren war ich mehr oder weniger mit 2 kleinen Kindern auf mich allein gestellt. So hart wie es auch war, so sehr hat mich diese Zeit dennoch geprägt. Ich habe mich mühsam aufgerappelt und meinen Kindern und mir nach und nach eine gute Existenz geschaffen.

Vor 4 Jahren bin ich durch glückliche Umstände als Unternehmerin durchgestartet und habe seitdem großen finanziellen Erfolg. Ich bin sehr dankbar für meinen Erfolg und nun in der Lage, bestimmte Träume zu realisieren. Erstmals seit einer langen Durststrecke kann ich mir vorstellen, ein Haus zu kaufen, Urlaube zu machen wie wir möchten, Essen zu gehen. Ich bin in der Lage meinen Kindern und mir den Lebensstandard zu ermöglichen, den ich mir für uns immer gewünscht habe. Und das ganz aus eigener Kraft. Ich arbeite immer noch hart für meinen Erfolg, aber ich genieße ihn auch. Lange Zeit habe ich nicht im Restaurant gegessen, ebenfalls nur eine kleine Wohnung gehabt, jahrelang nur Campingurlaube machen können.

In der Vergangenheit blieb jedoch kaum Zeit für Beziehungen, zum einen weil ich mit den Kindern viel beschäftigt war und zum anderen, weil ich oft Männer kennengelernt hatte, die ungern mit einer Frau und zwei kleinen Kindern das Leben teilen wollten. (vor allem mit einer, die selber kein Geld hatte…) Nun gibt es einen neuen Mann in meinem Leben. Wir haben relativ ähnliche Lebensansichten und er ist sehr fürsorglich, sieht toll aus, ist sportlich. Er ist seit 3 Jahren geschieden und hat ebenfalls 2 Kinder. Er hat einen bodenständigen Beruf, schwierige Arbeitszeiten, 4-Schicht-System.

Wir wohnen 30 Minuten voneinander entfernt. Er in einer 2 Zimmer Wohnung, ich in 100 qm. Aufgrund seiner finanziellen Unterhaltsverpflichtung bleibt ihm kaum etwas zum Leben übrig, geschweige denn für ein wenig Luxus. Unser Lebensstandard ist komplett verschieden. Es fängt beim Kino an, setzt sich bei Lebensmitteleinkäufen fort und von gemeinsamen Urlauben ganz zu schweigen. Die Kinder sind regelmäßig bei ihm, es fehlt jedoch auch seinen Kindern an einem Rückzugsort, da es kein eigenes Zimmer gibt. Wir konnten bei ihm nie mal für uns sein, weil es eben nur Schlafzimmer und Wohnzimmer gibt.

Bei verschiedenen Aktivitäten fühle ich mich schlecht, wenn ich für meine Kinder und mich zum Bespiel Kaffeetrinken in einem Restaurant plane und er es dann ablehnt. Ich habe ihm schon angeboten, dass ich für diverse Extras aufkommen kann, auch für seine Kinder. Aber zum Beispiel einen kompletten Urlaub für uns alle möchte ich nicht finanzieren. Es gab in der Vergangenheit häufig Situationen, in denen es uns beiden unangenehm war. Wir haben ein paar Mal das Gespräch über das Thema Geld gesucht, weil ich ahnte, dass er nicht zugeben kann, dass er sich zum Beispiel einen Urlaub mit seinen Kindern gar nicht leisten kann und ihn dennoch macht. 

Im Laufe des Kennenlernens hat dieser Umstand dazu geführt, dass von meiner anfänglichen Verliebtheit wenig übrig blieb. Ich halte mich nicht für einen oberflächlichen Menschen. Aber ich befinde mich dennoch in dem Dilemma, dass ich mich entweder in der Rolle derjenigen befinde, die den „Luxus“ ermöglicht, oder aber meine Ansprüche und Träume runterschrauben muss. Was ich aber nicht möchte, da ich selber so lange auf so vieles verzichtet habe. Wenn ein Mann vor einem steht und „jammert“, dass das Geld nicht reicht, dann ist das nicht gerade sexy. Das törnt eher ab. So war es auch bei mir. 

Erschwerend kommt sicher hinzu, dass ich bereits in meiner Beziehung zu dem Vater meiner Tochter in einem schönen Haus gewohnt habe und wir viel gereist sind. Ich habe von diesen Erlebnissen lange gezehrt. Und nun könnte ich das alles wieder so haben. Allerdings macht es auch keinen Spaß, Erlebnisse allein zu erleben.

Ich wünsche mir auf der einen Seite einen Partner auf Augenhöhe, auf der anderen Seite habe ich Angst, diese Beziehung jetzt komplett zu beenden. Ich weiß nicht, ob es einen Ausweg aus so einer Situation gibt. Vielleicht passen wir einfach nicht zueinander. Wir leben halt in komplett gegensätzlichen Welten.

Andererseits ist er so ein lieber Mensch, wie ich kaum jemanden kenne. Es gab einige erfolgreiche Männer, die ich kenne, die sehr ichbezogen waren und mit einem Familienleben oft nicht viel anfangen konnten. 

Ich denke die ganze Zeit darüber nach, wie viel Egoismus okay ist und was man aus Liebe bereit ist, für den anderen zu tun. Und dann komme ich wieder ins Zweifeln, weil ich denke, dass es einfach schwierig wird, sich mit dem anderen auf Augenhöhe auszutauschen und gemeinsam ein paar Träume zu verwirklichen.

Sie verdient mehr – wie sieht ein Ausgleich aus?

Carl schickt uns folgenden Beitrag mit der Bitte um Vorschläge:
Wie kann ein Mann auf der partnerschaftlichen Ebene eigentlich ein geringeres Einkommen ausgleichen? Die Situation:  Beide sind um die Fünfzig. Keine Kinder, keine weiteren Verpflichtungen. Sie verdient deutlich mehr als er. Er kommt zwar alleine zurecht, aber für eine etwas gehobene gemeinsame Zukunft müsste sie alle Extras bezahlen. Wie kann er das durch nicht ökonomisches Kapital ausgleichen?
Ich habe bisher nur etwas herablassende Kommentare gehört zum Künstler, der es sich bequem macht. Das ist auch nicht die Absicht. Sie zahlt, er putzt – ist etwas entwürdigend und wird in der Katastrophe enden, spätestens in dem Moment, wo beide Rentner sind. Er putzt, sie lehnt sich zurück: „Ich habe ja bezahlt“. –  Ich bin auf ernstgemeinte Vorschläge gespannt.

Interview im Spiegel Nr. 43

Liebe ist ein Tauschgeschäft?

Unter der Überschrift „Liebe ist ein Tauschgeschäft“ erschien im Spiegel ein längeres und wie ich finde gutes Interview zum Buch „LiebesGeld“. Einzig mit der Überschrift – der Spiegel liebt es etwas reisserisch – bin ich so nicht ganz zufrieden. Denn nur bei bedürfnisorientierten Tauschbeziehungen (z.B. Versorgung gegen Jugend) kann man die Liebe, genauer, die partnerschaftliche Liebe, als ein Tauschgeschäft betrachten. Die freundschaftliche und die emotional-leidenschaftliche Liebe haben mit Tausch nichts zu tun.

Michael Mary, Oktober 2016

Vom Ende her sehen

Ich habe mir nach der Sendung Nachtcafe das Buch „LiebesGeld“ gekauft und kann nur bedauern, dass ich es nicht schon vor 25 Jahren lesen konnte. Ich habe nach Witwenschaft einen Witwer, Geschäftsmann, 2 Söhne, geheiratet. Ich habe mein Haus vermietet, meine gute Stelle bei einer Internetfirma aufgegeben und meinem Mann assistiert. Einen von meinem Mann vorgesehenen Ehevertrag zu unterschreiben mit totaler Enterbung, Gütertrennung usw. habe ich abgelehnt. Daher kommt eine Zugewinngemeinschaft zum Tragen.

Nun ist mein Mann schwer krank und schenkt hohe Summen, 5 Wohnungen, sein Geschäft usw. an seine Söhne, ohne mich zu informieren. Einerseits liebe ich ihn noch immer, andererseits habe ich ein Problem. Das Thema anzusprechen, auch mit den Stiefsöhnen, eskaliert. Ein Rat durch Anwälte bringen nichts, denn ich trenne mich nicht. Hätte ich beherzigt, alles vom Ende her zu betrachten, wäre diese Situation nicht entstanden.

(Dieser Beitrag wurde uns von „Peppino“ zugesendet.)

 

Halbes Haus weg

Dieser Beitrag wurde von einer Leserin, die anonym bleiben möchte, zugesendet. Nennen wir sie „Jutta“.

Ich war verheiratet mit einem viel jüngeren Mann (24 Jahre jünger). Nach meinem 65. Geburtstag – wir waren da schon 18 Jahre verheiratet – habe ich ihm aus Fairness die Hälfte des von mir gebauten und bezahlten Hauses überschrieben. Kurz darauf kam heraus, dass er seit Jahre Nebenbeziehungen führt und in Online-Foren nach einer neuen Partnerin suchte. Mir hat er all die Jahre nur betont, dass er mich liebt. Ich verließ ihn.

Meine Grosszügigkeit bezüglich des Hauses wurde mir bei der Aufteilung der Finanzen zum Verhängnis. Das Haus war für die gemeinsame Altersvorsorge gedacht.

Zur finanziellen Situation von Frauen

Ein Beitrag von Helma Sick.

Wir haben die bestausgebildetste Frauengeneration, die es je gab. Und viele Frauen stehen auch finanziell auf eigenen Füßen. Aber es gibt leider immer noch viel zu Viele, die ein paar Jahre berufstätig sind, heiraten, Kinder bekommen und dann für viele Jahre aus dem Erwerbsleben verschwinden. Um Jahre später als Minijobberin oder Teilzeitbeschäftigte wieder aufzutauchen.

Und das spiegelt sich dann natürlich in der Höhe der Altersrente nieder: 2014 lagen Männerrenten in den alten Bundesländern bei 1020€ (neue Bundesländer 1111€), Frauenrenten bei 618€ (neue Bundesländer 824€).

Frauen, die sich auf so ein Lebensmodell einlassen, gehen also ein existentielles Risiko ein für den Fall, dass ihre Ehe scheitert, und das ist immerhin in Großstädten bei jeder zweiten Ehe der Fall. Das Risiko ist deshalb existentiell, weil Frauen mit so einer Erwerbsbiographie häufig beruflich nicht mehr den Anschluss finden, wenn sie wieder einsteigen wollen. Und weil es – im Fall der Scheidung – seit 2008 ein neues Unterhaltsrecht gibt. Danach ist jeder Partner materiell für sich verantwortlich. Unterhalt gibt es nur noch, wenn Kinder bis zum Alter von drei Jahren zu versorgen sind.

Auf ganz dünnem Eis stehen Frauen in nicht ehelichen Beziehungen, wenn sie wegen der gemeinsamen Kinder längere Zeit aus dem Beruf aussteigen. Für sie gibt es keinerlei Absicherung, sollte die Beziehung scheitern.

Warum verhalten sich Frauen so? Es ist halt vordergründig bequem, sich keine Gedanken über Altersvorsorge etc. machen zu müssen. Und es ist auch bequem, sich in der Sicherheit zu wiegen, dass die eigene Ehe lebenslang hält. Dass es aber, wenn die Beziehung auseinander geht, höllisch unbequem werden kann, daran denken viele Frauen nicht. Aber nicht nur das: Der Mann kann beispielsweise seinen Arbeitsplatz verlieren, er kann schwer erkranken. Das ist alles leichter zu ertragen, wenn das Familieneinkommen auf zwei Schultern ruht.

Der Lebensplan junger Frauen muss deshalb anders aussehen: Elternzeit möglichst mit dem Partner teilen. Staatliche Hilfe in Anspruch nehmen (Elterngeld, Elterngeld Plus) und möglichst bald über Teilzeit wieder zum Vollzeitjob zurück finden.

Wer sich trotz der Risiken für ein traditionelles Ehemodell entscheidet, muss über einen Ehevertrag die Versorgung sicherstellen. Unverheiratete Frauen in Partnerschaften sollten dies unbedingt mit einem Partnerschaftsvertrag tun.