Nicht-Ich in der Arbeitswelt

Sehr geehrter Herr Mary,
vielen Dank für den Kurs „Erlebte Beratung“. Voller Interesse schaue ich mir die Lektionen an.
Heute früh bin ich beim sinnieren auf folgende Problematik gestoßen: In den Videos sind Ihre Klienten darauf gekommen, dem nun entdecktem „Nicht-Ich“ eine Stimme zu geben und Ihre Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen.
Wenn ich jedoch in einem Hierarchie-System, z. B. auf Arbeit einen inneren Konflikt habe, kann ich vermutlich genauso gut das „Nicht-Ich“ erkennen, jedoch mich unter Umständen nicht dafür einsetzen – dieser Hierarchie geschuldet. Wie gehen Sie damit um?
Ela

Denkstoff

Herr Mary,
was Sie da zeigen in dem Kurs gibt mir schon zu denken. Ich war mir nicht klar, dass ich zu Schnellgerichts-Urteilen neige, aber wenn ich meine Dates so rückwärts betrachte, dann ist das wohl so. Ich werde jetzt versuchen, die Bedeutungsprüfung, wie Sie das nennen, zu praktizieren. Insgesamt ist das daten für mich schon etwas nervig. Wie sorge ich dafür, dass die Dates zu netten Begegnungen werden?
Johannes

Geheimnisse in Beziehungen

Dieser Text ist in der schweizerischen Zeitschrift „Zeitpunkt“ erschienen.

Sind Geheimnisse in einer Paarbeziehung schädlich oder gut und notwendig? Die klare Antwort lautet: Ja! Sie sind gut und notwendig und können schädlich sein.

Jede Beziehung wird durch eine spezielle Kommunikation geformt. Fremden gegenüber teilt man nur unpersönliches mit. Freunden teilt man persönliches mit. Dem Liebespartner teilt man intimes mit. Jeder will als der geliebt werden, der er ist und mit allen seinen Seiten. Dem Liebespartner kommt heute diese Aufgabe – den Einzelnen in seinem So-sein zu bestätigen – zu.

Die Frage ist nun, ob man alles mitteilen sollte, das sich im intimen Bereich, im Innersten, abspielt? Ein kleines Gedankenexperiment zeigt, wie schädlich das wäre.

Könnte ein Partner Gedanken lesen, dann würde sie beispielsweise erfahren, wen man sonst noch attraktiv oder vielleicht attraktiver findet, mit wem man eine Nacht verbringen will oder schon verbracht hat, welche Phantasien einem bei der Selbstbefriedigung helfen, welche Rolle sein Geld oder Erbe spielt, wann man beabsichtigt, ihn zu verlassen, beispielsweise, wenn das Haus bezahlt ist oder die Kinder aus dem Haus sind und vieles mehr. Könnten Partner Gedanken lesen, würde sich kaum jemand auf Liebesbeziehungen einlassen.

Dazu ein kleines Beispiel: Ein Mann will von seiner Freundin in einem intimen Augenblick wissen, mit wie vielen Männern sie schon geschlafen hat. Sie zögert mit der Antwort, denn sie fühlt instinktiv, dass es besser wäre, das als Geheimnis zu bewahren. Sie sagt ihm: „Das willst du gar nicht wissen!“ Aber er bohrt, und als sie schließlich sagt, sie wüsste es nicht so genau, es wären wohl über 30, ist er schwer getroffen. Die Beziehung ist eine ganze Weile gestört, er denkt zeitweise daran, sich zu trennen, bleibt aber. Es wäre besser gewesen, sie hätte gelogen. Beispielsweise gesagt: „Ich zähle so etwas nicht, und ich meine, es geht dich auch nichts an.“

Geheimnisse werden in einer Beziehung unbedingt gebraucht. Das Geheimnis grenzt einerseits vom anderen ab, andererseits hält es das Interesse der Partner und die Neugier auf ihr Innenleben lebendig. Durch Geheimnisse bleibt die eigene Identität erhalten. Denn nur deshalb, weil niemand anderes in meinen Kopf und in meine Gefühle blicken kann, existiere ich als Individuum. Und nur deshalb, weil Partner getrennt voneinander sind, brauchen sie ihre Liebe, die ihnen Zuwendung und Bestätigung vermittelt.

Was in einer heutigen Liebesbeziehung jedoch unbedingt gebraucht wird, ist der Eindruck, keine Geheimnisse voreinander zu haben, zumindest keine großen. Eine Liebesbeziehung lebt von der Mitteilung intimster Dinge, man teilt dem Partner mit, wovon kein anderer erfährt. Man teil ihm Sehnsüchte, Gefühle, Ängste, Erwartungen, Hoffnungen, Begehrnisse etc. mit. So entsteht die Illusion, das Innerste des Partners genau zu kennen. Diese Illusion wird gebraucht, damit der Eindruck der Ganzliebe – ich werde um meiner Selbst willen, mit allem geliebt, was mich ausmacht – entstehen kann.

Man darf den Eindruck der absoluten Offenheit aber nicht mit absoluter Offenheit verwechseln. Die Überzeugung, ganz und gar geliebt zu werden, hält sich nämlich nur, solange man sich vieles nicht mitteilt. Was diesen Eindruck zu sehr stören würde, also alles, was sich trennend anstatt verbindend auswirkt, behält man besser für sich. Zumindest, so lange es geht.

Geheimnisse bergen natürlich Risiken, beispielsweise das Risiko, unfreiwillig gelüftet zu werden. Der Seitensprung, kommt er heraus, kann die Beziehung beenden oder beleben. Es kommt auf die schwere der Verletzung an, die dadurch entsteht. Warum entsteht überhaupt eine Verletzung? Weil die Erwartung gebrochen wird, den anderen zu kennen. Was die Beziehung dann retten kann, ist die Offenbarung weiterer Geheimnisse. Beispielsweise, was man lange Zeit vermisst hat, worunter man schon lange leidet etc. Eine Garantie auf Erhalt der Beziehung gibt es aber nicht, denn alles, was man offenbart, kann entweder Zuwendung oder Abwendung auslösen.

Muss man befürchten, dass einer Beziehung die Geheimnisse auf Dauer ausgehen? Nein, denn bei jedem Geheimnis, das preisgegeben wird, rücken andere nach. Die Produktionsstätte für Geheimnisse liegt dort, wo persönliche Veränderung stattfindet – im Unbewussten, im nicht zu kontrollierenden Gefühlsbereich der Individuen. Gut, dass man nicht alles vom Partner weiß, und nicht alles von sich selbst.

Was nun? Wenn Sie vor der Entscheidung„beichten oder nicht?“ stehen, beantworten Sie sich folgende Fragen:

– Gibt es eine Vereinbarung in Bezug auf den Punkt, den ich geheim halte?
– Hat die Sache Bedeutung für die Beziehung?
– Wie wird mein Partner reagieren, wenn ich das Geheimnis offenbare?
– Wie wird mein Partner reagieren, wenn ich schweige und er selbst hinter das Geheimnis kommt?
– Mit welchen Folgen glaube ich, besser leben zu können?

Kommt eine Lüge heraus, bleibt wohl nur, dazu zu stehen. Ja, ich habe gelogen. Aus Egoismus. Weil ich die Beziehung zu dir erhalten will!

Geld oder Liebe – was macht wirklich glücklich?

Unter dem Titel „Geld oder Liebe – was macht wirklich glücklich“ habe ich das folgende Interview für die Zeitung Lea gegeben.

Weder das eine noch das andere macht glücklich. Geld kann Sorgen um seinen Verlust hervorbringen, und der Versuch, es zu mehren, kann das Leben zum Stress werden lassen. Liebe kann vergehen und alle Hoffnungen darin enttäuschen.
Das Problem liegt darin, zu glauben, dass der Gegenstand der Begierde automatisch eine bestimmte Lebensqualität mit sich bringt. Das ist falsch. Es kommt aber darauf an, wie man mit Geld oder Liebe umgeht.
Beides hat eine soziale Dimension. Es erfüllt, es zu teilen, andere daran teilhaben zu lassen im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Geld erfüllt den, der gibt (ohne sich aufzugeben), und Liebe erfüllt den, der liebt (ohne sich zu opfern). Zudem ist in der Frage: „Was macht wirklich glücklich?“ ein Absolutheitsanspruch enthalten, und zwar auf dauerhaftes Glück.
Wer das erwartet, der hofft, für immer vom Gegensatz zwischen Glück und Leid erlöst zu werden.
Beim Glück handelt es sich aber um ein Kontrastphänomen. Die Suche danach erhält ihren Sinn durch das Unglück. Gäbe es kein Unglück, hätte das Glück keinen Wert. Man würde sich langweilen.
Fazit: Es kommt nicht darauf an, was man hat oder besitzt, sondern wer man ist. Ein Liebender? Einer, der andere teilhaben lässt? Beides zeichnet sich durch besondere Verbundenheit aus.

Umgang mit schwierigen Männern

Umgang mit schwierigen Männern
Wie Frau das Verhalten ihres Partner beeinflussen kann

Wie kann man das Verhalten seines Partners ändern? Sich am Mann abzuarbeiten hat keinen Sinn. Es gibt nur einen Weg, das Verhalten des Partners zu verändern: indem man seine Reaktion auf ihn verändert. Denn eine Paarbeziehung ist die Geschichte der gegenseitigen Reaktionen zweier Partner aufeinander. Mit anderen Worten, es sind immer beide beteiligt. Der Ansatzpunkt zur Verbesserung der Beziehung ergibt sich aus der eigenen Beteiligung am Verlauf der Ereignisse.

 

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