Geld und Liebe

Dieser Artikel von mir ist in der Börse-Online (32) erschienen.

Mein Lebensgefährte verdient wesentlich mehr als ich, lässt mich aber die Hälfte der Miete unserer gemeinsamen Wohnung zahlen. Auch beim Essengehen, beim Urlaub und bei gemeinsamen Anschaffungen besteht er auf halbe-halbe. ich hätte gern, dass er mehr bezahlt …

Den ganzen Artikel finden Sie auf der Homepage von Börse-Online.

Geheimnisse in Beziehungen

Dieser Text ist in der schweizerischen Zeitschrift „Zeitpunkt“ erschienen.

Sind Geheimnisse in einer Paarbeziehung schädlich oder gut und notwendig? Die klare Antwort lautet: Ja! Sie sind gut und notwendig und können schädlich sein.

Jede Beziehung wird durch eine spezielle Kommunikation geformt. Fremden gegenüber teilt man nur unpersönliches mit. Freunden teilt man persönliches mit. Dem Liebespartner teilt man intimes mit. Jeder will als der geliebt werden, der er ist und mit allen seinen Seiten. Dem Liebespartner kommt heute diese Aufgabe – den Einzelnen in seinem So-sein zu bestätigen – zu.

Die Frage ist nun, ob man alles mitteilen sollte, das sich im intimen Bereich, im Innersten, abspielt? Ein kleines Gedankenexperiment zeigt, wie schädlich das wäre.

Könnte ein Partner Gedanken lesen, dann würde sie beispielsweise erfahren, wen man sonst noch attraktiv oder vielleicht attraktiver findet, mit wem man eine Nacht verbringen will oder schon verbracht hat, welche Phantasien einem bei der Selbstbefriedigung helfen, welche Rolle sein Geld oder Erbe spielt, wann man beabsichtigt, ihn zu verlassen, beispielsweise, wenn das Haus bezahlt ist oder die Kinder aus dem Haus sind und vieles mehr. Könnten Partner Gedanken lesen, würde sich kaum jemand auf Liebesbeziehungen einlassen.

Dazu ein kleines Beispiel: Ein Mann will von seiner Freundin in einem intimen Augenblick wissen, mit wie vielen Männern sie schon geschlafen hat. Sie zögert mit der Antwort, denn sie fühlt instinktiv, dass es besser wäre, das als Geheimnis zu bewahren. Sie sagt ihm: „Das willst du gar nicht wissen!“ Aber er bohrt, und als sie schließlich sagt, sie wüsste es nicht so genau, es wären wohl über 30, ist er schwer getroffen. Die Beziehung ist eine ganze Weile gestört, er denkt zeitweise daran, sich zu trennen, bleibt aber. Es wäre besser gewesen, sie hätte gelogen. Beispielsweise gesagt: „Ich zähle so etwas nicht, und ich meine, es geht dich auch nichts an.“

Geheimnisse werden in einer Beziehung unbedingt gebraucht. Das Geheimnis grenzt einerseits vom anderen ab, andererseits hält es das Interesse der Partner und die Neugier auf ihr Innenleben lebendig. Durch Geheimnisse bleibt die eigene Identität erhalten. Denn nur deshalb, weil niemand anderes in meinen Kopf und in meine Gefühle blicken kann, existiere ich als Individuum. Und nur deshalb, weil Partner getrennt voneinander sind, brauchen sie ihre Liebe, die ihnen Zuwendung und Bestätigung vermittelt.

Was in einer heutigen Liebesbeziehung jedoch unbedingt gebraucht wird, ist der Eindruck, keine Geheimnisse voreinander zu haben, zumindest keine großen. Eine Liebesbeziehung lebt von der Mitteilung intimster Dinge, man teilt dem Partner mit, wovon kein anderer erfährt. Man teil ihm Sehnsüchte, Gefühle, Ängste, Erwartungen, Hoffnungen, Begehrnisse etc. mit. So entsteht die Illusion, das Innerste des Partners genau zu kennen. Diese Illusion wird gebraucht, damit der Eindruck der Ganzliebe – ich werde um meiner Selbst willen, mit allem geliebt, was mich ausmacht – entstehen kann.

Man darf den Eindruck der absoluten Offenheit aber nicht mit absoluter Offenheit verwechseln. Die Überzeugung, ganz und gar geliebt zu werden, hält sich nämlich nur, solange man sich vieles nicht mitteilt. Was diesen Eindruck zu sehr stören würde, also alles, was sich trennend anstatt verbindend auswirkt, behält man besser für sich. Zumindest, so lange es geht.

Geheimnisse bergen natürlich Risiken, beispielsweise das Risiko, unfreiwillig gelüftet zu werden. Der Seitensprung, kommt er heraus, kann die Beziehung beenden oder beleben. Es kommt auf die schwere der Verletzung an, die dadurch entsteht. Warum entsteht überhaupt eine Verletzung? Weil die Erwartung gebrochen wird, den anderen zu kennen. Was die Beziehung dann retten kann, ist die Offenbarung weiterer Geheimnisse. Beispielsweise, was man lange Zeit vermisst hat, worunter man schon lange leidet etc. Eine Garantie auf Erhalt der Beziehung gibt es aber nicht, denn alles, was man offenbart, kann entweder Zuwendung oder Abwendung auslösen.

Muss man befürchten, dass einer Beziehung die Geheimnisse auf Dauer ausgehen? Nein, denn bei jedem Geheimnis, das preisgegeben wird, rücken andere nach. Die Produktionsstätte für Geheimnisse liegt dort, wo persönliche Veränderung stattfindet – im Unbewussten, im nicht zu kontrollierenden Gefühlsbereich der Individuen. Gut, dass man nicht alles vom Partner weiß, und nicht alles von sich selbst.

Was nun? Wenn Sie vor der Entscheidung„beichten oder nicht?“ stehen, beantworten Sie sich folgende Fragen:

– Gibt es eine Vereinbarung in Bezug auf den Punkt, den ich geheim halte?
– Hat die Sache Bedeutung für die Beziehung?
– Wie wird mein Partner reagieren, wenn ich das Geheimnis offenbare?
– Wie wird mein Partner reagieren, wenn ich schweige und er selbst hinter das Geheimnis kommt?
– Mit welchen Folgen glaube ich, besser leben zu können?

Kommt eine Lüge heraus, bleibt wohl nur, dazu zu stehen. Ja, ich habe gelogen. Aus Egoismus. Weil ich die Beziehung zu dir erhalten will!

Geld oder Liebe – was macht wirklich glücklich?

Unter dem Titel „Geld oder Liebe – was macht wirklich glücklich“ habe ich das folgende Interview für die Zeitung Lea gegeben.

Weder das eine noch das andere macht glücklich. Geld kann Sorgen um seinen Verlust hervorbringen, und der Versuch, es zu mehren, kann das Leben zum Stress werden lassen. Liebe kann vergehen und alle Hoffnungen darin enttäuschen.
Das Problem liegt darin, zu glauben, dass der Gegenstand der Begierde automatisch eine bestimmte Lebensqualität mit sich bringt. Das ist falsch. Es kommt aber darauf an, wie man mit Geld oder Liebe umgeht.
Beides hat eine soziale Dimension. Es erfüllt, es zu teilen, andere daran teilhaben zu lassen im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Geld erfüllt den, der gibt (ohne sich aufzugeben), und Liebe erfüllt den, der liebt (ohne sich zu opfern). Zudem ist in der Frage: „Was macht wirklich glücklich?“ ein Absolutheitsanspruch enthalten, und zwar auf dauerhaftes Glück.
Wer das erwartet, der hofft, für immer vom Gegensatz zwischen Glück und Leid erlöst zu werden.
Beim Glück handelt es sich aber um ein Kontrastphänomen. Die Suche danach erhält ihren Sinn durch das Unglück. Gäbe es kein Unglück, hätte das Glück keinen Wert. Man würde sich langweilen.
Fazit: Es kommt nicht darauf an, was man hat oder besitzt, sondern wer man ist. Ein Liebender? Einer, der andere teilhaben lässt? Beides zeichnet sich durch besondere Verbundenheit aus.

In der Partnerschaft auch über Finanzen sprechen

Ein Interview von Radio Bayern mit Michael Mary und Helma Sick.
Hören Sie das Interview hier.

Das liebe Geld: Paare sprechen selten darüber. Es wirkt kalt und unromantisch darüber zu reden und man will sich ja vertrauen. Dabei birgt es enormes Konfliktpotential. Und spätestens wenn die Liebe verpufft, wird aus dem Tabu- schnell ein Kernthema. Warum das Reden über Finanzen in der Partnerschaft so wichtig ist.

Von wegen Venus + Mars

Sie finden hier Hinweise auf das Buch
Von wegen Venus und Mars

Sie ist nicht aus der Welt zu kriegen: die Mähr von den angeblich wesensmäßigen Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Dabei steht längst fest: Die Unterschiede innerhalb der Geschlechter sind weitaus größer als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. In diesem kleinen Buch entlarve ich humorvoll und bissig die 10 größten Geschlechtermythen und zeige, dass sich Männer und Frauen hervorragend verstehen können.

Venus + Mars?
Männer und Frauen stellen füreinander unlösbare Rätsel dar, will man unzähligen Publikationen Glauben schenken. Sie würden vom Mars und der Venus stammen, heißt es, also aus völlig verschiedenen Welten kommen. Diese Welten wären vor allem biologischer Natur, sie wären in unterschiedlichen Genen und Gehirnstrukturen festgeschrieben und würden von dort aus über das Sozialverhalten der Geschlechter und über die Kommunikation von Männern und Frauen bestimmen, und natürlich vor allem über die Liebe.
Wenn dem so wäre, könnten wir es vergessen. Männer und Frauen hätten keine Chance, den biologischen Vorgaben ihres Verhaltens zu entkommen. Genetische Ausstattung und Gehirnstruktur würden sie für Jahrtausende auf ein geschlechtsspezifisches Rollenverhalten festlegen und sie blieben solange Schlösser mit sieben Siegeln füreinander, bis sich ihre Gene eines fernen Tages aneinander angeglichen hätten. Noch in 2000 Jahren würden Männer – dann wahrscheinlich ihre Raumschiffe – besser einparken und Frauen immer noch Schuhe kaufen – nur eben nicht mehr auf der Erde, sondern vielleicht auf Andromedar.
Mehr noch. Aus biologistischer Sicht ist das Rollenverhalten nicht nur genetisch bedingt, sondern sogar unverzichtbar, da es die Liebe angeblich erst ermöglicht. Das biologisch begründete Rollenverhalten der Geschlechter wird kurzerhand zur Grundlage der Liebe erklärt: gerade weil die Geschlechter unterschiedlich wären, seien sie auf die Liebe angewiesen! Jedes Geschlecht repräsentiere, weil es über ganz unterschiedliche Eigenschaften und Fähigkeiten im Vergleich zum anderen Geschlecht verfüge, eine Hälfte der psychischen Welt. In der Liebe würden sich beide Partner dann zu einer ganzen, ungeteilten Psyche vereinen.

Glaubt man solchen Unfug, dann müssen sich Männer und Frauen an ihr Rollenverhalten klammern, ansonsten würden sie der Liebe die Grundlage entziehen. Hier eine kleine Kostprobe solch merkwürdiger Überzeugungen:
„Damit eine Partnerschaft ausgeglichen und „rund“ ist, muss einer der beiden die eher „männlichen“ Eigenschaften verkörpern (d.h. Eigenschaften wie logisch, bestimmt, dominant, die wir der linken Hirnhälfte zuordnen) und der andere die eher „weiblichen“ (also Eigenschaften wie intuitiv, rezeptiv, die der rechten Hirnhälfte zugeteilt werden). Männer neigen dazu, die „männliche“ Rolle einzunehmen, Frauen hingegen die „weibliche“. Somit ist es Männern meist am wichtigsten, „respektiert“ zu werden, während Frauen „geliebt und beschützt“ werden wollen.“ (Catherine Cardinal, 10 Gebote für glückliche Paare)
Eine Beziehung und die ihr zugrunde liegende Liebe sind – folgt man solchen Erklärungen – auf die geschlechtsspezifische Verteilung männlicher und weiblicher Eigenschaften unverzichtbar angewiesen. Damit werden Liebe und Sexualität und auch die Paarbeziehung an das Vorhandensein biologischer Unterschiede geknüpft. „Wahre“, „echte“ oder „wirkliche“ Liebe einschließlich Sexualität und Partnerschaft ist dann nur zwischen den biologischen Geschlechtern möglich, nur zwischen Männern und Frauen, weil nur sie unterschiedliche Gene und Gehirne aufweisen. Nebenbei bemerkt könnten sich auch Schwule und Lesben nicht lieben, weil sie ja über gleiche Gene und Hirnstrukturen verfügt.

Um die These von den „halben“ Geschlechtern zu stützen, wird immer wieder der Mythos der Kugelmenschen bemüht, nachdem Mann und Frau in der Liebe zu einem Ganzen werden. Die Geschichte der Kugelmenschen, die von Platon geschaffen wurde, hat allerdings einen ganz beträchtlichen Haken, auf den der Soziologe Günter Burkart hinweist:
„Allein sind Mann und Frau nur halbe Menschen; erst in der Liebe ergänzen sie sich zu einem Ganzen. Doch die Sache mit den zwei Hälften – als zwei Geschlechtern – ist nicht ganz so einfach: Im Kontext der griechischen Antike ist die Liebe, von der hier die Rede ist, nicht für die Ehe gedacht, sondern beschreibt in erster Linie die Liebe von Männern zu Knaben.“
Autsch, kann man da nur sagen, der Kugelmenschenmythos war gar nicht für die gegengeschlechtliche Liebe gemeint. Ganz nebenbei wird durch die These, Liebe sei nur zwischen den Geschlechtern möglich, die gleichgeschlechtliche Liebe zu einem Irrtum der Natur erklärt und das Rollenverhalten auf ewig zementiert. Der Mann will „respektiert“ werden, ihn drängt es in die Welt hinaus, wo er Macht sucht und Autos einparkt, die Frau hingegen will „geliebt und beschützt“ werden, sie drängt es in die Läden, wo sie schöne Schuhe kauft, damit sie noch schöner wird. Beide Geschlechter können nicht anders, ihre Gene lassen es nicht zu. Und weil sie so unterschiedlich sind, können sie einander natürlich nicht verstehen.

Biologistische Erklärungen für die privaten und gesellschaftlichen Konflikte zwischen den Geschlechtern und für die Liebe mögen generell unterhaltsam sein. Offenbar genießen viele Leser und Leserinnen es, eigene Vorurteile bestätigt zu bekommen und einfach Erklärungen für Rollenverhalten zu bekommen, selbst wenn diese falsch sind. Dennoch schaden diese Thesen mehr als sie nutzen. Sie schaden vor allem deshalb, weil die Liebe durch solche Mythen in ein aus Genen und Hirnstrukturen bestehendes Gefängnis eingesperrt wird. Die Liebe hat sich an solche Zuweisungen allerdings nie gehalten, und sie wird das sicher auch in Zukunft nicht tun.
Ungeachtet dessen erfreuen sich biologisch-deterministische Sichtweisen bezüglich des Geschlechterverhältnisses momentan einer großen Beliebtheit. Wer aber glaubt, Männer und Frauen könnten sich von Natur aus nicht verstehen, der wird die Dynamik der Liebe nicht in voller Tiefe begreifen.